03.09.2011 - 01.10.2011

Michael Kravagna

Einführung:  Stefan Skowron,  Kunsthistoriker



Wenn ein Maler  parallel an verschiedenen Handlungssträngen, Serien und Suiten arbeitet  und sich dafür auf Jahre hinaus Zeit lässt, er infolgedessen in seinem Tun  immer wieder auf ähnliche Bedingungen trifft, vor den gleichen Aufgaben  und Herausforderungen steht, dann jedoch dem ungeachtet erneut denselben  LösungsWeg wählt wie vielleicht auch schon vor ein, zwei oder drei  Jahren, einzig deshalb, weil jener ihm schon ein oder zwei Mal ein gutes  Ergebnis, nämlich ein gutes Bild beschert hat (dies wohl wissend, dass  Kunst sich nicht wiederholt, sondern sich als das tautologische System das  sich stets nur auf eine höchst eigenwillige redundante Weise „erneuert“);  wenn ein Maler in seiner Kunst so verfährt, gerät der außenstehende  Kunstbetrachter beizeiten in Verlegenheit. Reflexartig wird er darauf  verfallen, hinter solch beharrlichem Handeln ein Konzept zu vermuten. Er  wird es erwarten. Vielleicht sogar fürchten. Weil er sich Kunst nicht  anders erklären kann. Weil für ihn der Wiederholung gemeinhin nichts  Positives anhaften kann. Weil sie für ihn mit einer Infragestellung  gleichbedeutend ist. Weil aus seiner Sicht für das BeFragen eines  Vorgehens oder Handelns, gleichbedeutend mit dem HinterFragen einer  Entscheidung oder eines Ergebnisses, immer Skepsis – oder Misstrauen – das  erste Motiv ist. Und nicht die Lust an der Entdeckung, am Verdichten und  Konzentrieren.

Doch genau auf  diese Weise arbeitet Michael Kravagna. Wobei ihm die beschriebenen  Irritationen des Betrachters nicht wichtig sind. Er befragt die  Malerei. Indem er sich vorurteilsfrei den gleichen Problemen immer und  immer wieder stellt: Was kann Malerei leisten? Wie kann sie  überraschen? Dabei entstehen nur scheinbar unspektakuläre, ganz  bestimmt in sich ruhende Bilder. Seine Mittel wirken auf den ersten Blick  schlicht: Linien von verschiedener Kondition und Farben eindeutigen  Charakters. Die Bildkörper sind teils vorbereitete, teils unbehandelte  Leinwände; manchmal werden auch alte Bilder abgewaschen und als Gründe für  neue wiederverwendet. Darüber liegen einerseits Flächen aus Linien in  horizontalen und gelegentlich auch vertikalen Bahnen, gemalt, gezeichnet  oder auch geritzt, als Einzelwesen oder zu Bündel gefasst. In ihrer  Vielzahl ergeben diese Linien Flächen; manchmal liegen auch mehrere  solcher Flächen übereinander. Hier ist die daraus resultierende Struktur  im Bild für den Maler von erstem Interesse. In der Struktur, ihrer  Körperlichkeit, ihrem Rhythmus sucht er Bewegung(en) und  ihren Charakter sowie die Ursachen dafür zu ergründen. Zum anderen widmet  sich Kravagna der Farbe als Material. Er formt sie, indem er sie aufträgt  und schleift, ihrer Oberfläche ein individuelles Äußeres gibt, und dem  Bild eine Haut. Vorgänge, die sich vielfach wiederholen können, und die  manchmal dazu führen, dass von dem Ton kaum etwas bleibt als eine Ahnung  oder sagen wir eine Erinnerung. Malerei als Zeugnis für Bewegung, Rhythmus  und Zeit. Malerei als Verdichtung von Gedanken, als Vehikel zur  Kontemplation.Der Betrachter dieser Werke halte sich folglich mit  Spekulationen hinsichtlich der Vorlagen zurück.  Landschaftsformationen wie es etwa Feldzeichen, Wellenrhythmen auf einer  vom Regen getroffenen Wasseroberfläche oder das Wolkenspiel sind, helfen  nur bedingt. Michael Kravagna geht es keineswegs um die Nachahmung von  Natur oder gar Architektur. Derartige Vergleiche stehen den tatsächlichen  Bildanlässen fern. Es geht um Malerei und darum, was sie zu leisten  vermag.

Text: Stefan Skowron











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