Julie Hayward | Stift Ossiach

I WANNA GO HOME





Raum- und ortsbezogene Präsentation von Skulptur und Objektkunst ist seit 2008 Schwerpunkt der Ausstellungen in den Prunkräumen in Stift Ossiach. Nach der Ausstellung „Traum /Sogno“  im Sommer 2010 mit Arbeiten von Fabrizio Plessi wird in diesem Jahr unter dem Titel „I wanna go home“ die Ausstellung von Julie Hayward eröffnet. Die von Silvie Aigner und Ulli Sturm gemeinsam mit der Künstlerin zusammengestellte Präsentation verbindet bestehende Werkgruppen mit neuen, für Ossiach entwickelten Arbeiten zu einem diskursiven Dialog. Das Œuvre der aus Salzburg stammenden Künstlerin umfasst groß dimensionierte skulpturale Objekte, Fotografien und Zeichnungen, die an der Schnittstelle zwischen biomorphen Strukturen und technoiden Formen angesiedelt sind. Ihre Objekte werden je nach Zusammenstellung zu Bestandteilen einer Geschichte, die Julie Hayward in der Ausstellung entwirft. Die Zusammenschlüsse unterschiedlicher Materialien in perfekter Ausführung lassen Haywards Objekte, die meist im Raum schweben, wie kosmonautische oder utopische Gebilde erscheinen.

„I wanna go home“  greift die verschiedenen Aspekte des „Heimkommens“ auf. Die Frage nach der Heimat, dem Zuhause sind immer wieder kehrende Themen im Werk der Künstlerin und implizieren auch die Sehnsüchte, Ideale und sozialen Kodierungen, wie die Illusionen die damit verbunden sind. Damit in Bezug stehende Objektgruppen wie unter anderen „elsewhere“ „big mama“ oder „Aequilibration“ und „pounding flow“ werden dabei ebenso zu sehen sein wie neue Arbeiten. Die Skulpturen stehen dabei stets in einem inhaltlichen wie formalen Spannungsverhältnis. Während die wirbelsäulenartigen Formen der Skulptur „Aequilibration“ versucht die Kräfte abzufangen und  immer wieder ins Gleichgewicht zu kommen, sieht sie sich den unentwegten Attacken von „pounding flow“ ausgesetzt, ein Objekt das an ein Kriegsgerät aus einem Siecne Fiction Film denken lässt, das träge von der Decke hängt. Julie Hayward spricht dabei über den mechanischen Prozess hinaus vor allem auch eine emotionale, psychische Ebene an. Dass dieses Gleichgewicht immer wieder rasch aus der Stabilität gebracht werden kann zeigt die Verbindung der beiden Skulpturen. Doch das Daheim-Sein in der Welt, oder besser: die Suche nach dem Heim, schließt auch das Un-Heimliche mit ein. Im vertrauten Zu-Hause verbirgt sich stets das unbekannte Draußen:  Das Fremde. An diesem kritischen Punkt setzen die Arbeiten von Julie Hayward an. So thematisieren ihre Objekte die vielschichtige Spannung von Nachhausekommen und Verlorensein, von einem „Zusich-Kommen“ aber auch von der  Selbstentfremdung, von der Begegnung mit dem Bekannten und der Verfremdung. *  Die titelgebende Arbeit der Ausstellung „I wanna go home“  erinnert an eine Abschussrampe oder an „eine zurückgebliebene, am Boden haftende festklebende und ausrinnende Hülle eines Fluggerätes. Das Innenleben ist bereits fort. Ein Teil musste zurückbleiben, oder der Versuch zu starten ist überhaupt gescheitert?“ so Julie Hayward. Das Objekt stellt darüber hinaus jedoch auch die Frage des Nachhause Kommens im Tod, in dem ein sogenanntes Heimkehren endgültig wird. Die einzelnen Kügelchen werden von einer zähen Masse ersetzt, die sich immer wieder transformiert  verändert und letztlich ausrinnt und nicht mehr zu fassen ist. Doch lässt das Objekt auch an eine kippende Bohrplattform denken, die durch das Material und seine Größe etwas Wesenhaftes erhält. Hier wird deutlich, dass die Künstlerin keine Leserichtung ihrer Objekte vorgeben möchte und stets verschiedene Aspekte eines Themas aufgreift. In diesem Sinne entwirft Julie Hayward in ihrer Ausstellung eine Versuchsanordnungen. Ihre Objekte verstrahlen ebenso den Reiz des Futuristischen wie die Erinnerung an vergangene Utopien, das Flair des Surrealen wie des rationalen Kalküls. Es sind seltsame Parallelwelten die uns die Künstlerin ihr vorführt, die zwiespältige Gefühle evozieren und unterbewusste Ängste wachrufen. Sie verfremden das vermeintlich Vertraute und führen vielleicht auch zu der unbehaglichen Erkenntnis: Daheim ist in der Fremde * oder wie Andreas Höll es in seinem Text „Coming home“ oder:  Ankunft in der Fremde, zu Julie Hayward mit den Worten des Philosophen Ernst Bloch formuliert, der den schillernden Begriff Heimat umschrieb als »etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war«.  (dis+)

Ausstellung
I wanna go home
JULIE HAYWARD im Stift Ossiach 2011
Kuratorin Silvie Aigner und Ulli Sturm
Informationen zur Künstlerin www.juliehayward.com 


* Andreas Höll aus Coming Home oder: Ankunft in der Fremde











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